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Bis zum späten Nachmittag schauen wir noch gespannt den Kite-Surfern zu und fahren dann weiter südlich.

Wir sind auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Der nächste kostenlose Stellplatz liegt in Montalto di Castro und ist leider der widerlichste, den ich seit Beginn unserer Reise gesehen habe… 🤮
Die Lage ist gar nicht schlecht. Direkt am Meer. Leider ist jeder Weg, der vom Parkplatz zum Strand führt, so fürchterlich vermüllt, dass es mir im Herzen weh tut, wie man die Natur so behandeln kann. Man fühlt sich, wie auf einer Müllhalde!

Es stehen mindestens 50 Wohnmobile hier. Weit und breit keine Bullis. Außerdem lungern seltsame Leute noch zusätzlich auf dem Platz rum.
Alles sieht hier irgendwie siffig aus. Ich fühl’ mich ganz und gar nicht wohl und versuche Emil zu überreden weiter zu fahren. Aber die Sonne geht bereits unter und wir wüssten auch nicht, wo sonst hin. Also bleiben wir.

Später am Abend stellt sich ein T4 hinter uns und meinte Stimmung bessert sich 😁
Kein seltenes Phänomen. Der Stellplatz kann noch so groß sein, Bullifahrer stellen sich irgendwie immer zusammen.

Am nächsten Morgen sind wir schon früh unterwegs und fahren gezielt ein Naturreservat in Caprarola an.
Hier gefällt es uns.

Naturreservat Lago di Vico (Vicosee):
– ein Vulkansee in der mittelitalienischen Region Latium
– er ist umgeben von der felsigen Hügelkette Monti Cimini
– das Reservat umfasst eine Fläche von 3200 Hektar
– einer beachtlichen Vogelvielfalt dient der See als Winterquartier
– das Gebiet wird geprägt von Haselnussplantagen, Edelkastanienkulturen, Schafweiden, Sumpfgebieten, Eichen- und Buchenwälder

Wir finden einen kleinen Parkplatz mitten im Reservat in der Nähe einer Aussichts-Hütte für Vogelbeobachter 🦅 🐦 in der Ferne sieht man den Lago di Vico. Hier wimmelt es von Vögeln.
Erst einmal erkunden wir die Umgebung und spazieren entlang wunderschöner Kastanienwälder 🌰. Am Rande des Weges verlaufen rechts und links Brombeerhecken. Und wir kommen eigentlich gar nicht mehr vorwärts, weil wir nur noch am Pflücken und Naschen sind. Lecker, lecker!

Wir sitzen im Bulli und machen uns gerade etwas zu Essen, als ich ziemlich verblüfft in die Ferne schaue.
Ein großes weißes Tier läuft durch den Vulkankrater direkt in unsere Richtung.
Nicht lachen! Aber es sieht aus, wie ein weiblicher Schneelöwe. Natürlich kann es nur ein Hund sein. Aber welcher Hund ist so groß und weiß? Und da weit und breit kein Mensch zu sehen ist, vermuten wir, dass es ein Wilder ist.
Die Schiebetür wird zugemacht und abgewartet.
Plötzlich sind da noch drei weitere dieser Viecher. Verrückt! Gemütlich trotten sie an uns vorbei. Von Weitem hört man Glöckchen und dann taucht doch ein Schäfer auf. In Begleitung eines Border Collies.
Natürlich haben wir die Hunde gegoogelt und rausgefunden, dass es ein italienischer Schäferhund ist. Noch nie gehört, noch nie vorher gesehen!

Am zweiten Tag, während es dämmert, hören wir, wie es lautstark grunzt und quiekt.
Wir wissen, dass es hier Wildschweine 🐗 gibt und vermutlich rangeln gerade welche an der 100m entfernten Wasserstelle rum.
So, wie es sich anhört müssen es mehrere sein. Irgendwie nicht ganz ohne. Ohne Taschenlampe habe ich tatsächlich Schiss im Dunkeln rauszugehen. Vermutlich würde ich schon vor Schreck erstarren, wenn so ein Vieh in freier Wildbahn auf mich zurennt. Und so ein Keiler könnte mich mit Sicherheit umhauen und außer Gefecht setzen.
Witzige Vorstellung, aber man muss es ja nicht herausfordern. 😅

Am nächsten Morgen verrichten zwei äußerst nette Italiener irgendeine Holzarbeit auf unserem Parkplatz. Zuerst gucken Sie noch etwas skeptisch, weil es offensichtlich ist, dass wir hier schlafen. Aber, man unterhält sich nett und alles ist gut!
So ist es bisher immer gewesen. Sobald die Leute merken, dass wir kein Halligalli machen und uns ordentlich verhalten, stört es Niemanden, dass wir wildcampen 😊
Viele sind sogar interessiert und sprechen uns an oder geben uns einen Daumen nach oben 👍🏼, weil sie es toll finden was wir machen.

Unser nächstes Ziel sind die Abruzzen.
Ewige Serpentinenstraßen bergauf. Wir haben das Gefühl, dass wir im Nirgendwo landen. Seit über einer Stunde schlängeln wir uns durch das Gebirge und uns begegnet nichts! Gerade einmal zwei Autos kamen uns entgegen und wir überlegen mittlerweile umzukehren.
Und plötzlich, nach der gefühlt hundertsten Kurve, bietet sich uns ein unglaublicher Blick auf ein Tal mit türkisfarbenen See und einem entzückenden kleinen Dorf auf einem Hügel.
Ein absolutes Bilderbuch-Motiv 😍

Castel di Tora:
– liegt in der Provinz Rieti in der Region Latium 60km nordöstlich von Rom
– ca. 290 Einwohner
– ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d‘Italia (die schönsten Orte Italiens)
– der Ort liegt auf einer Halbinsel im Stausee Lago del Turano, der vom Turano durchflossen wird
– das Dorf gruppiert sich um eine mittelalterliche Burg

Da hier so wenig los ist, entscheiden wir uns auf dem Parkplatz des Aussichtsplatzes einfach stehen zu bleiben und übernachten hier.
Nicht nur tagsüber, sondern auch nachts ist die Aussicht wunderschön!
Der Mond 🌓 lässt den See silbrig erscheinen. Und die Lichter des Dorfes Castel di Tora sehen aus wie kleine Kerzen. In der Nacht hören wir einen Fuchs 🦊, der neben unserem Bus lautstark bellt. Emil musste mir erklären, dass so nur Füchse bellen. Ich hätte es nicht gewusst 🤭

Am nächsten Tag fahren wir hinab zum Lago di Turano und verbringen zwei Tage hier. Jeden Abend tauchen zwei wilde Hunde auf. Einer von ihnen ist ein italienischer Schäferhund. Der andere ein kleiner Kläffer. Ein witziges Duo! Sie haben sich mit einem Camper neben uns angefreundet und halten jede Nacht Wache direkt vor unseren Vans.

Einfach süß!

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Andrea Kessel
    28/11/2017 00:06

    Wie aus einem Reiseprospekt. Unvorstellbar, dass es so etwas auch in echt gibt. Wunderschön. Und du erzählst auch so nett darüber, dass man/frau das Gefühl hat, man/frau wäre dabei. Und es funktioniert das Kopfkino.

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