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Wir haben eine der kältesten Nächte hinter uns. 8 Grad die Nacht. Mit Pullover und langer Unterhose schliefen wir aber erstaunlich gut. Unsere zusätzlichen Winter-Schlafsäcke für den Notfall musste noch nicht rausgekramt werden. Es ist 10 Uhr und das zwischen Felsen und Bergen liegende Vinje wird immer noch von dickem Nebel durchzogen.

Bevor es weitergeht spülen wir noch unser Geschirr von gestern Abend am Fluss. Es ist eeeeisig! Immerhin gut für unsere Durchblutung 😆 zumindest sind wir jetzt richtig wach.

Unsere Route verläuft über die Hochebene. Die Natur ist sowas von atemberaubend schön, dass wir stundenlang nur mit weit aufgerissenen Augen aus dem Fenster schauen und ständig das Gefühl haben einen Stop einlegen zu müssen.
Hunderte Wasserfälle sieht man an riesigen Felsschluchten herabstürzen. Überall kristallklare helltürkis farbene Flüsse und Bergseen. Die Bergspitzen sind mit Schnee bedeckt. Einfach wunderschön!!! …wie aus einem „Herr der Ringe-Film“ 😍

An einem ganz besonders großen und bekannten Wasserfall, dem Latefoss, halten wir. Leider schüttet es mittlerweile wieder wie aus Kübeln. Der Wasserfall ist trotzdem absolut beeindruckend.

Heute Nacht werden wir wieder in einem Naturreservat übernachten. Wir haben uns etwas Abseits einen Parkplatz in Kinsarvik am Hardangerfjord rausgesucht. Scheint ein sehr beliebter Ausgangspunkt für Wanderer zu sein. Hier stehen Autos aus den unterschiedlichsten Ländern.
Ich bin neugierig geworden und laufe einfach entlang des Fjords los.
Zu schade, dass wir keine Wanderschuhe und Outdoorkleidung mithaben. Hier verspürt man richtig Lust auf Wanderschaft zu gehen. Aber dafür hätten wir in unserem Bulli zusätzlichen Stauraum benötigt. Was soll’s. Ich latsche zurück zum Parkplatz und versuche Emil zu mobilisieren 😊

Nachdem wir 5min zu Fuß unterwegs sind, unterhalten wir uns über Claudia, Sebastian und Mini-Aurelius. Die Drei, die wir in Schweden/Mariannelund kennengelernt haben und die wir in Stockholm wieder getroffen haben. Wir schwelgen ein bisschen in Erinnerungen, weil die Zeit so nett war! Wir wissen, dass die kleine Familie auch vorhatte nach Norwegen zu fahren und fragen uns, wo sie sich wohl rumtreiben. Emil witzelt, dass es ja sein könnte, ihren VW-Bus hier irgendwo zu sehn.
In diesem Moment hören wir ein Auto hinter uns und wollen Platz machen. Drehen uns um… sehen ein Konstanz-Kennzeichen und danach in zwei bekannte Gesichter: Claudia und Sebastian! Die ganze Situation ist sowas von verrückt!! Wir freuen uns alle riesig!! Was ein unglaublicher Zufall!!! Wir scheinen wohl irgendwie zusammen zu gehören 😁

Wir beschließen morgen alle zusammen nach Bergen zu fahren.

Auf dem Weg dorthin machen wir Rast an einem riesigen Wasserfall. Das Besondere:
Man kann hinter ihm durchlaufen. Eine tolle Attraktion. Aber da er ein Magnet für viele Touristen ist, drängen sich hier viele auf kleinster Fläche um ein „perfektes“ Foto zu schießen.

In Bergen übernachten wir im Naturschutzgebiet Byfjellen.

Bergen:
– die Hafenstadt liegt an der Westküste Norwegens am Byfjord
– gehört zur Provinz Hordaland
– Einwohner: ca. 278.100
– zweitgrößte Stadt Norwegens
– ist von sieben Hügeln umgeben

Gegen Abend, wie will man es anders erwarten, fängt es wieder an zu regnen. Es regnet die ganze Nacht durch und zwar so heftig, dass ich teilweise nachts wachliege und hoffe, dass unser Bulli nicht irgendwie den Hang runterbricht oder wegschwimmt 😂
Regen, Regen, Regen ☔️ bis zum Mittag. Der Himmel lichtet sich. Wir nutzen die Chance und fahren mit dem öffentlichen Bus nach Bergen Stadtmitte.

Besonders toll fanden wir das Hafenviertel Bryggen. Obwohl es durch mehrere Stadtbrände abbrannte, wurde es jedesmal aufs Neue nach den Original-Plänen aus dem 12. Jahrhundert wieder aufgebaut. Seit 1979 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Ansonsten ist die Stadt geprägt durch viele verwinkelte hügelige Gassen mit Kopfsteinpflastern und traditionelle Holzhäuschen.
An einigen Mauern und Wänden begegnen einem kunstvolle Graffitis. Viele Galerien und individuelle Cafés laden zum Verweilen ein. Man merkt, dass Bergen Sitz einer Musik-, Kunst- und Designhochschule ist.

Eigentlich möchten wir, vor allem ich, unbedingt noch weiter nördlich. Nach Trondheim! Mein Lieblingsbuch „Der Schwarm“ spielt u.a. in der Stadt und ich hab schon soviel Tolles über die Lage gehört, dass ich mich schon die ganze Zeit darauf freue.
Nur leider sitzt uns das schlechte Wetter und die Kälte langsam in den Knochen. Und außerdem wollen wir noch nach Groß-Britannien. Und das nicht erst im Herbst! Sonst geht das miese Wetter dort direkt weiter. Also was tun…?
Wir sind hin und her gerissen. Trondheim würde heissen, noch weitere 15 Stunden Richtung Norden und dann die komplette Strecke zurück. Laut Wetterbericht werden die nächste Tage nicht unbedingt besser. Es macht keinen Sinn.
Wir entscheiden uns dagegen und fahren am späten Nachmittag über die Hochebene langsam nach Süden zurück.

Mir ist zum Heulen zumute. Ich hätte Trondheim so gerne gesehen und wir waren so nah dran 😥 Scheisse!
Je weiter wir fahren, desto mehr kann ich mich dann aber doch mit der Entscheidung arrangieren.

Trondheim muss warten!

 

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