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Wir überlegen hin und her, ob es sich lohnt noch weiter in den Süden Italiens zu reisen.

Von mehreren Campern haben wir gehört, dass die „Vermüllung“ der Landschaft immer schlimmer wird, je weiter man fährt. Auch gestaltet es sich schwierig mit Stellplätzen. Und da wir Wildcamper sind und eine saubere Natur bevorzugen, entscheiden wir uns umzukehren.

Neuer Plan: Wir wollen nach Sardinien!

Die Fähre geht von Livorno aus.

Auf dem Weg dorthin übernachten wir an dem Marmore Wasserfall bei Terni.
Hier gibt es einen sehr entspannten Parkplatz mit kostenlosem Wasser 💧 und Aufladestationen für unsere Handys📱

Ich nutze den „Luxus“ fließendes Wasser zur Verfügung zu haben und hänge die Wäscheleine auf. Unser Beutel für Schmutzwäsche quillt nämlich mittlerweile über. Zu sehen, wie die saubere Wäsche an der Leine vor sich hin flattert, löst in mir ein Glücksgefühl aus 😄
Später am Abend liegen wir beide in unserem kuscheligen Bettchen und schauen einen Film 🎥, als uns ein, für uns seltenes Geräusch, aufhorchen lässt:
Es hat angefangen zu regnen. Aber so richtig! Es schüttet, wie aus Kübeln. Noch dazu stürmt es. Die Wäscheleine fliegt hin und her. Wie hypnotisiert starre ich aus unserem Fenster auf unsere frisch gewaschene Wäsche und warte nur darauf bis sie sich von den Klammern löst und über den gesamten Platz fliegt.
Seit Österreich hatten wir jeden Tag Sonnenschein. Natürlich muss es gerade heute Nacht ein Unwetter geben… 🤨
Die Wäsche flog nicht rum. Alles gut gegangen 😉

In einem netten kleinen Restaurant esse ich das beste Tiramisu, dass ich je gegessen habe und bin startklar für die Fahrt nach Livorno.
Unser Abendessen machen wir auf dem Weg dorthin. Bei Sonnenuntergang mit Sicht auf Florenz.
Leider ist es schon komplett dunkel, als wir in Livorno ankommen.
Diese riesige Hafenstadt erschlägt uns irgendwie. Riesige Kräne zum Verladen der Container. Erinnert stark an Hamburg. Nur irgendwie alles andere als schön. Weit und breit nur Industrie mit dicken qualmenden Schornsteinen.

Laut Navi, sollen wir in 15min auf einem Hügel im Grünen ankommen… soll das ein Witz sein?
Wir fahren ab und unser Weg führt uns durch ein Wohngebiet mit so engen Gassen, die unmöglich für einen Wagen unserer Größe passierbar sind. Aber wo sollen wir sonst hin?
Wir sind hundemüde und versuchen es trotzdem. Unter wahnsinniger Anspannung fahren wir den Monte Nero rauf. Gefühlte Millimeterarbeit. Aber vielleicht machte die Mischung aus Dunkelheit und Müdigkeit diese ganze Aktion einfach nur so schwierig.

Über einen unbefestigten Weg gelangen wir endlich zu unserem Schlafplatz.
Ich find‘s hier gruselig. Eine Ausnahme, dass wir erst nach Einbruch der Dunkelheit an unserem Übernachtungsplatz ankommen. Wir stehen allein auf einem großen Schotter-Parkplatz. Um uns herum nur Gestrüpp und die Sicht auf das Industriegebiet. Mich schaudert es.
Ich bin offensichtlich übermüdet und verhalte mich hoffentlich deswegen nur wie ein Schiss-Hase…

Am nächsten Morgen füllt sich der Parkplatz rasend schnell.
Was, in aller Welt, wollen soviel Menschen hier mitten im Nirgendwo?
Ich hätte es wissen müssen. Es ist Sonntag! Unterhalb unseres Platz findet eine Art Messe statt. Da wo gestern LKWs rumstanden… Bis zu unserem Platz dröhnen Stimmen durch ein Megaphon.

Unsere Fähre geht erst um 23Uhr. Wir haben noch ewig Zeit und verharren hier einfach. Machen Kaffee ☕️, essen, ich wasche meine Haare… es gibt immer was zu tun 😁
In regelmäßigen Abständen kommen die Besucher der Messe hier hoch und pinkeln in die Büsche. Was ja erstmal nicht schlimm ist. Aber alle, wirklich alle Frauen benutzen Feuchttücher und lassen Sie, wie selbstverständlich, hier liegen.
Dementsprechend sieht der Platz auch aus… ich kann nicht begreifen, warum man seinen „Scheiss“ nicht wieder mitnehmen kann.

Am frühen Nachmittag fahren wir los.
Unser Herz geht auf, als wir sehen, dass noch soviel andere Bullis auf die Fähre wollen. Ein richtiges Spektakel! Man unterhält sich und bestaunt gegenseitig seine Van-Ausbauten. Super Stimmung!
Viele waren schon auf Sardinien und schwärmen von einem Wild-Camping-Paradies.

Festland Italien hat uns super gut gefallen. Aber, wir sind keine Strände angefahren. Wir wollten uns gezielt die Städte und das Inland ansehen.
Auf Sardinien wird es das Kontrastprogramm geben: „Beachlife“ 😎😬

Die Fahrt von Livorno nach Sardinien dauert 8 Stunden. Wir haben jeweils einen Liegesessel gebucht, der kein Liegesessel ist, da man in der Senkrechten sitzt. Wie soll man so schlafen?
Emil und ich verkriechen uns auf die andere Seite des Schlafraums. Ich lege mich einfach quer über mehrere Sitze. Emil legt sich auf den Boden.
Die Nacht ist alles andere als komfortabel. Die Klimaanlage bläst schöne kalte Luft in den Raum. Was nicht schlimm gewesen wäre, hätten wir uns Decken mitgenommen…

Die Fähre legt bei Sonnenaufgang 🌅 in Olbia an.
Warme Luft, Berge, die wir in der Ferne sehen, der in Rosatönen gefärbte Himmel und die Meeresbrise lässt unser Herz höher hüpfen.

In Alghero machen meine Mutter, ihr Freund, seine Tochter und meine Schwester gerade Urlaub. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, freuen uns auf ein Wiedersehen und können die Urlaubsstimmung kaum erwarten.

Alghero:
– Stadt in der Provinz Sassari
– Einwohnerzahl: ca. 44.000
– liegt an der Westküste von Sardinien
– die mittelalterliche Altstadt befindet sich auf einem Felsvorsprung und ist von dicken Mauern umgeben

Im Laufe der folgenden Woche besuchen wir die Tropfsteinhöhle „Grotte di Nettuno“.
Der Weg dorthin ist schon abenteuerlich. 654 Stufen führen an einer 110m, fast senkrechten, steilen Felswand direkt am Meer entlang. Da die Höhle so nah am Wasser liegt, ist der Zugang nur bei ruhiger See geöffnet.
Der Besuch absolut empfehlenswert!
Leider müssen die Stufen natürlich auch alle wieder hochgelaufen werden 🤤 Was soll’s. Fitness tut gut. Wir schaffen es ohne eine Pause einzulegen. Aber oben angekommen flüchten wir uns erst einmal hechelnd in den Schatten.
Diese „Treppentour“ würde ich niemals bei hochsommerlichen Temperaturen empfehlen. Wäre Harakiri!

Ansonsten lassen wir es uns einfach gut gehen. Ausgedehnte Frühstücke auf dem Balkon. Zu Abend essen wir entweder alle nett im Restaurant oder machen zusammen Essen in der Ferienwohnung. Egal wo, jedesmal wilde, aber sehr unterhaltsame Diskussionen beim Essen 😉
Übrigens ein unglaublicher Luxus für uns, auf einmal eine Dusche 🚿 und Waschmaschine zur Verfügung zu haben.
Tagsüber lümmeln wir meistens am Strand herum.
Den letzten Abend verbringen wir in der Altstadt von Alghero. Sehr hübsch und lauschig.
Tja, und dann herrscht leider auch schon Abschiedsstimmung 🙁

Wir sind sowas von happy, dass sich meine family für einen Urlaub auf Sardinien entschieden hat. Ich glaube, dass wir uns sonst nicht für eine Überfahrt mit der Fähre zu dem wunderschönen Sardinien entschieden hätten. Nicht auszudenken! 😱

Wir sind wieder auf uns gestellt und fahren zu dem Strand, der uns in Alghero am besten gefallen hat: Spaggia Mugoni. Und verbringen drei Tage hier.
Zwischendurch bekommen wir nachts mal wieder Besuch von einem Wildschwein 🐗, dass grunzend an unserem Bulli vorbei rennt.

Einfach herrlich 😁

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Andrea Kessel
    30/11/2017 21:00

    Das Beschriebene macht viel Freude, denn es ist wieder so, als ob man/frau dabei wäre. also hat man/frau auch als Leserin noch einmal einen Italien- und vor allem einen Sardinien-Urlaub. Man will dahin! Und auch Italien erscheint einfach nett und erholsam und schön! Ganz so hatte ich es nicht erlebt. Danke, dass ihr eure Erlebnisse und eure „Blicke“ mit uns teilt!

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