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Wir befinden uns auf einem Rasthof-Parkplatz direkt am Meer.

Nicht besonders schön, aber hier gibt es öffentliche Toiletten und kostenloses Wasser.
Ich wache vom prasselnden Regen auf, der auf unser Karosseriedach klimpert und bereue es, dass ich nicht gestern Abend noch meine Haare gewaschen habe. Es waren jetzt drei Tage ohne Shampoo. Ein vierter geht auf gar keinen Fall!
Heisst also, mein Tag wird mit einer Haarwäsche unter strömenden Regen beginnen 😓
Emil will seine Haare auch waschen. Wie schön. Geteiltes Leid ist halbes Leid 😉
Wir stellen uns auf eine Grasfläche und schütten uns gegenseitig, mit Hilfe einer Flasche, Wasser über den Kopf und seifen uns ein.
Das kühle Nass aus dem Zapfhahn ist eisig. In Kombination mit Regen, Wind und der Tatsache, dass es erst 8Uhr ist, fängt der Tag nicht besonders komfortabel an. Aber das macht unsere Van-Reise ja aus.
Letztendlich sind wir hellwach geworden und laut Wetterbericht soll es heute auf der Insel Mön sehr schön werden. Unser heutiges Ziel!

Insel Møn:
– liegt im dänischen Teil der Ostsee
– Einwohner: ca. 9400
– wegen ihrer 70 Millionen Jahre alter Kreide wird sie als „kleine Schwester“ der deutschen Insel Rügen bezeichnet

Wir fahren bis an das Ende der Insel. Auf den Møns Klint. Besonders spektakuläre Kreidefelsen im Osten der Insel. Der Parkplatz hier kostet um die 5€.
Von hier aus hat man allerdings die Möglichkeit die Felsen hautnah zu betrachten. Endlos viele Stufen führen vom Parkplatz aus hinab zum Meer.
Unten angekommen führt ein Weg direkt an den Kreidefelsen entlang, die 128m in die Höhe ragen. Der Weg besteht aus einem „Meer“ von tennisballgroßen Steinen. Ohne feste Schuhe wäre man hier ziemlich fehl am Platz!
Leider sind ziemlich viele Algen angespült worden, die einen unangenehm „Fischgeruch“ verbreiten, aber man gewöhnt sich irgendwie dran.
Nach einer knappen Stunde rumgekraksel, führen natürlich genau so viele Treppen wieder nach oben.
Nicht ohne Grund haben wir auf dem Weg nach unten in regelmäßigen Abständen, meistens ältere Leute gesehen, die halb liegend auf den Treppen hingen und weder vorwärts noch rückwärts konnten.
Bei knallender Mittagssonne würde ich keinem empfehlen diesen Ausflug zu starten.
Wir kommen schweißgebadet und röchelnd oben an. In dem Moment, als uns eigentlich schon die Kräfte verließen, hatten wir erst ein Viertel geschafft…
Schön ist, dass wir diesmal mitten in einem Waldgebiet ankommen und uns eine kühle Brise umgibt. Herrlich!
Den Weg zurück laufen wir entlang den Klippen und genießen die Waldluft 🌳 und den herrlichen Ausblick auf das türkis farbene Meer.

Für heute Nacht haben wir uns einen Stellplatz an einem Bootsclub-Parkplatz 🚣 direkt an einer Brücke ausgesucht. Wir sind nicht die Einzigen, die hier übernachten werden. Die Club-Mitglieder sehen sehr skeptisch „in die Runde“, aber scheinen uns zu dulden.
In Dänemark sollte man etwas Feingefühl entwickeln, was nächtliche Übernachtungsplätze angeht. Wildcampen ist öffiziell verboten!

Am nächsten Tag sind wir gespannt auf einen ganz besonderen Leuchtturm, der im Jütland (noch!) steht.
Kurz vor unserem Ziel wird es schon verrückt, weil plötzlich riesige Sanddünen in der Ferne zu sehen sind.

Rubjerg Knude Leuchtturm:
Bei der Rubjerg Erhebung handelt es sich um die größte Wanderdüne Europas und der höchste Punkt der Lønstrup-Küste. Die Kliffküste bildet sich aufgrund eiszeitlichen Sandablagerungen. Durch Erosion wird sie jedes Jahr mit einer Geschwindigkeit von mehreren Metern abgetragen, wodurch eine Steilküste entsteht. Der Leuchtturm ist seit 1968 nicht mehr in Betrieb, da er aufgrund der stetig wachsenden Sanddüne vom Meer aus nicht mehr zu sehen war. Der Turm wird vermutlich innerhalb der nächsten acht bis zehn Jahren die Steilküste hinab ins Meer stürzen.

Von einem Parkplatz aus führt ein Pfad zum Leuchtturm, den man barfuß entlang laufen kann. Nach 5min ist nichts weiter, als feinster Sandstrand unter unseren Füßen.
Vor uns erstrecken sich die riesige Dünen… und plötzlich taucht er auf. Der Leuchtturm!
Je näher wir kommen, desto windiger wird es. Ohne Sonnenbrille wäre es bei dem heutigen Wind unmöglich mit offenen Augen durch die sandigen Böen zu laufen.
Man hat das Gefühl, als stehe man irgendwo in der Wüste mit puderfeinem Sand und das mitten in Dänemark. Absolut verrückt! Würde hier eine Karawane aus Kamelen 🐪 auftauchen. Es würde mich nicht im geringsten überraschen 😉
Durch die sandige Luft sieht alles irgendwie magisch aus!
Um den Turm herum liegen teilweise noch alte Ziegelsteine im Sand herum, die noch zu den ehemaligen Nebengebäuden gehören.
Nur wenige Meter hinter dem Leuchtturm befinden sich die Klippen, die fast senkrecht ins Meer ragen. Eine Traumkulisse!

Trotzdem hat dieser Ort auch etwas Trauriges. In wenigen Jahren wird dieses ungewöhnliche Szenario einfach verschwunden sein…

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