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Wir fahren nach Norwegen und sind aufgekratzt. Laut Navi werden wir erst weit nach Sonnenuntergang an der Grenze sein, aber wir wollen es unbedingt 😁 Während unserer Fahrt seh’ ich plötzlich ein großes Tier direkt am Waldrand neben der Straße stehen. Ich kann es erst nur von hinten sehen und ohne Kopf, weil es gerade frisst. Und da ich nur das Hinterteil sehen kann, ist für mich die Sache klar, dass es sich vermutlich um ein „stinknormales“ Pferd handelt… Bis Emil ganz außer sich ruft:“ Ein Elch!!“ Tatsächlich! 😬😅 Wir sehen den ersten wilden Elch auf unserer Skandinavien-Reise. Einfach toll!

Es ist bereits nach 22Uhr, als wir über die Grenze fahren und prompt werden die Straßen um einiges enger, kurviger und bergiger. Nur spärliches Licht in den vereinzelten Dörfern. Nebel zieht auf. Es reihen sich Wälder und kleine Dörfer aneinander. Wir begegnen kaum Autos. Es ist fast etwas unheimlich.
Müdigkeit kündigt sich an und wir halten in einem Städtchen direkt am Hafen auf einem Parkplatz. Leider entpuppt sich die Stelle als Gaudi-Zone. Es ist Freitag Abend und die jungen Hüpfer treffen sich hier wohl um sich in ihren Sound-Anlagen zu überbieten. Im Grunde würde uns die ganze Sache nicht stören, aber wir wollen schlafen und das ist unmöglich hier. Also weiter.
Diesmal steuern wir einen riesigen Autohof in Halden an, wo endlos viele LKWs und Wohnmobile stehen. So dicht standen wir noch nie zwischen unseren Nachbarn. Absolut unschön, aber die Müdigkeit überwiegt. Wir wollen einfach nur noch schlafen…
Am nächsten Morgen werden wir direkt von einem Touri-Bus geweckt. Eine Horde Japaner schwärmt aus. Witzig zu beobachten ist, dass sie anfangen die Wohnmobile um uns herum zu fotografieren. Irgendwie schräg. Kennen die sowas nicht? Der Sache müsste man mal nachgehen.

Wir machen uns in Rekordzeit startklar, denn wir wollen unbedingt wieder weiter. Unser nächstes Ziel ist Fredrikstad. Hier soll es eine alte Insel-Festung geben. Der Himmel verdunkelt sich. Das Wetter sieht sehr, sehr schlecht aus, aber wir parken trotzdem und marschieren los.

Fredrikstad:

– liegt im äußersten Südosten von Norwegen in der Provinz Østfold
– Einwohner: ca. 80.000 (siebtgrößte Kommune in Norwegen)
– die Altstadt (Gamlebyen) befindet sich innerhalb von Festungsmauern auf einer Insel
– heute ist die Festungsanlage die am besten erhaltene in ganz Nordeuropa

Zur Insel Gamlebyen gelangt man nur mit einer Fähre. Die Fahrten sind kostenlos. Innerhalb von wenigen Minuten setzt man über.
Die Altstadt ist sehr schön, nur leider alles grau in grau. Es nieselt fast durchgehend. Eigentlich sind wir in der Stimmung wieder zum Parkplatz zu laufen, nehmen aber noch eine Burgruine mit, die sich etwa 20min weit weg befinden soll. Ruine hört sich immer so spannend an, aber gelohnt hat es sich letztendlich nicht. Was soll’s. Wir latschen zurück zu unserem Bulli.

Wir fahren noch bis nach Verdens Ende.
Die Natur wird zunehmend „schroffer“ und ungezähmter. Viel wilder, als Schweden. Für mich fast noch spannender als Schweden!

Verdens Ende:

– liegt am Ende des Oslofjord
– ist die Südspitze der norwegischen Insel Tjøme
– gehört zur Provinz Vestfold
– deutsche Übersetzung: Ende der Welt

Der Regen hat sich verzogen. Wir machen es uns auf einem Parkplatz gemütlich. Kostenpunkt: 4€ für 24Std. 5min von einer absoluten Traumkulisse entfernt. Durch ein kurzes Waldstück gelangt man direkt an den Hafen und eine riesige „Felsenmeer-Landschaft“ breitet sich vor einem aus, die bis ins Meer hinausragt. Beim ersten Blick sehen einige Felsen, wie die Rücken von Grauwalen aus. Dieser Ort hat was magisches! Wir können uns gar nicht sattsehen. Und dann noch mit Sonnenuntergang 🌅…da schießen einem fast die Tränen in die Augen, bei soviel Schönheit. Wir krakseln über die Felsen. Klettern, balancieren, springen von Fels zu Fels und Emil muss mich hin und wieder an die Hand nehmen, weil ich Angst habe beim nächsten Sprung im Wasser zu landen 😅 Es ist windig und das Meer breitet sich vor uns aus. Wir sind „Am Ende der Welt“!
Was ein Traum-Tag!!

Am nächsten Tag fahren wir weiter entlang des Norsjø-Fjords (Strecke 36). Das Wasser ist türkis und kristallklar. Überall Schluchten, Berge und Wälder. Es wäre kaum überraschend, wenn einem irgendwo ein Kobold, Hobbit oder Elf den Weg kreuzt. So märchenhaft schön ist Natur.
Als es anfängt zu regnen beschließen wir unseren heutigen Nachtplatz zu suchen. Wir stellen uns einfach auf einen Parkplatz an der Straße direkt an einem Fluss.
Es hört gerade auf zu regnen und wir nutzen die Zeit. Wir schnippeln Gemüse und setzen Wasser auf. Plötzlich ein Wolkenbruch. Es regnet wie aus Kübeln. Emil rührt in unserem Spiritus-Kocher und ich halte den Regenschirm über ihn. Mit Sicherheit ein Bild für die Götter 😁 Als das Essen fertig ist, sind wir trotzdem ziemlich durchnässt. Wir kuscheln uns so gut es geht in unsere Decken und versuchen uns warm zu halten. Es wird ziemlich kalt!

Im Laufe des Abends hält ein deutsches Wohnmobil vor uns. 3 Typen in unserem Alter. Sind total aufgedreht. Sieht so aus, als würden sie baden gehen wollen 😱 Bei Regen im eiskalten Wasser. So verrückt kann keiner sein… die offenbar schon! Wir beobachten das ganze Szenario und fragen uns, warum in alles in der Welt das jetzt sein muss!? Wir hören Sie noch quieken und lachen, als sie auf dem Weg ins kühle Nass sind. Auch noch als sie ins Wasser gehen… danach sehen wir sie nur noch in ihren Wohnwagen zurück rennen. Danach Totenstille. Nur noch ihre Standheizung ist zu hören, die den restlichen Abend im Dauermodus läuft 😂 Manche Dinge muss man wirklich nicht testen, um zu wissen, dass sie bitterböse enden 😅

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