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Es ist Morgen und wir stehen noch im Naturschutzgebiet neben dem Dörfchen Brenna.
Der Tag fängt gemütlich mit Frühstück an und anschließendem Abwasch. Bettzeug ausschütteln, Bulli ausfegen und aufräumen. Tägliche Routine.

Wir sind startklar. Emil legt den Rückwärtsgang ein. …und fährt langsam, aber sicher gegen einen Zaun 😫 WUMM!!!
Fette Beule. Emmas roter Lack wunderschön am Zaun zu sehen.
Gelinde gesagt: Der Abturner par excellence!
Ich bin ganz ruhig und versuche die Situation nicht noch schlimmer zu machen. Die Stimmung ist trotzdem am Tiefpunkt.
Unser wunderschöner Oldtimer ist nun nicht mehr makellos schön. Ein totales Drama!

Nach einer halben Stunde haben wir uns halbwegs wieder eingekriegt. Vor unserem Trip hatten wir, glücklicherweise, noch eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen. Das ist schonmal gut. In Deutschland wird sich Emma eben einer Schönheits-Op. unterziehen müssen.
Es gibt wirklich schlimmeres!

Nach diesem kleinen Schock werden wir, auf unserer Weiterfahrt durch die Toskana, mehr als entschädigt! Unsere Route nach San Quirico D‘ Orcia ist atemberaubend schön!
Die typische hügelige „Toskana-Landschaft“ einmalig!
Wir haben uns gezielt für einen Schotterweg, fernab der großen Straßen, entschieden. Hier und da wunderschöne Zypressen-Alleen, die zu noch schöneren alten Villen führen. Perfekte Filmkulisse. Man kann sich gar nicht sattsehen.
Jetzt, Ende September sind die Felder und Wiesen sehr trocken. Im Frühjahr, wenn hier alles grünt und blüht, muss es nochmal komplett anders aussehen.

Bei Sonnenuntergang 🌅 kommen wir an.
Das Städtchen Bagno Vignoni, dass zu San Quirico D‘ Orcia gehört ist für seine zahlreichen natürlichen Thermen bekannt. Alte urige Weinläden, kleine Cafés. Sehr traditionell und atmosphärisch.
Anstelle der Piazza steht das älteste Thermalbecken, dass heute allerdings nicht mehr zum Baden benutzt werden darf.
Der Stellplatz liegt auf einem Berg neben einer 5-Sterne-Hotel-Gartenanlage (habe das Hotel mal gegoogelt: 300€ kostet hier ein Zimmer/Nacht 😅). Dementsprechend gepflegt sieht die Gegend aus.
Von hier aus hat man einen weiten Blick. Ich bin hin und weg und total aufgekratzt. Schade, dass die Sonne schon untergeht. Am Liebsten würde ich sofort meinen Rucksack packen und losziehen.
In der Nacht haben wir einen sternklaren Himmel 🌌 🌠

Soviel Sterne habe ich das letzte Mal auf der Hochebene von Norwegen gesehen. Sowas wie Lichtverschmutzung gibt es hier nicht. Die komplette Milchstraße fließt über mir hinweg. Als hätte jemand ein Krug Milch am Firmament ausgeschüttet…
Ganz sicher ist jetzt schon, dass wir noch eine zweite Nacht an diesem herrlichen Ort bleiben werden.

Der nächste Morgen.
Es ist 6:45. In 20 Minuten wird die Sonne aufgehen. Ich will unbedingt den Sonnenaufgang über der Toskana sehen. Aus meiner Kleiderkiste suche ich mir meinen kuscheligsten Pullover raus. Neben mir fängt Emil an zu Grummeln… in letzter Minute entscheidet er sich doch noch mitzukommen. Jetzt aber schnell! Wir rennen den Berg weiter hoch, wollen es bis ganz nach oben schaffen. Nach 10min erreichen wir keuchend unser Ziel und wissen beide, dass unsere Fitness beschämend schlecht ist…
Eine Stückchen orange-glühende Sonne ist schon am Horizont zu sehen.
Was einer schöner Start in den Tag!

Am Vormittag laufen wir durch das Städtchen zu den Naturbecken, die sich ca. 10min entfernt über mehrere Terrassen am Berghang befinden. Ohne festes Schuhwerk wär‘s schwierig den steinigen Bergpfad runter zu laufen. Überall schlängeln sich kleine Trampelpfade. Durch manche fließt das Wasser der Therme, dass sich von der Bergspitze seinen Weg hinunter bahnt. Andere sind trocken.
Ein bisschen fühlt man sich wie im Irrgarten. Auf der Suche nach weiterführenden, begehbaren Wegen.
Das schwefelhaltige Wasser der Naturbecken ist so türkis, dass es fast unecht aussieht.
Aufgrund der Nebensaison sind wenig Leute unterwegs und eines der Becken haben wir fast eine Stunde komplett für uns allein.
Es ist so paradiesisch hier, dass ich gar nicht mehr weg will!

Am nächsten Tag fahren wir unseren ersten kostenpflichtigen Camping-Platz in Talamone bei Orbetello an.

Vorher halten wir noch schnell an einem Supermarkt.
Schlechtes timing, denn um 12:30 haben so gut, wie alle Supermärkte zu. Jedenfalls in den kleinen Käffern. Es ist dann nicht so, als würde man mal ein Stündchen warten, nein! Die Siesta geht hier knallharte drei Stunden lang.
Also müssen wir uns die Zeit vertreiben und gehen Pizza essen.
Der Laden sah‘ schon außen nicht besonders einladend aus, aber das Essen hätte ja trotzdem gut sein können. Hätte!
5min nach unserer Bestellung lag unsere Pizza schon auf dem Teller. Bei der Geschwindigkeit kann das nur aufgewärmt sein.. Und so hat sie auch geschmeckt. Die Konsistenz, wie eine Schuhsohle.
Was ein Jammer! …und das in Italien 😩

Dafür lernen wir auf unserem Kite-Surfer-Camping-Platz zwei sehr nette „Alt-Surfer“ aus der Schweiz kennen und genießen den wohl schönsten Sonnenuntergang, seit Beginn unserer Reise. Noch nie habe ich so dunkle Rot- und Pinktöne am Himmel gesehen 😍

 

 

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